Vom Menschenhandel Betroffene Migrant_innen

Vortrag des Bundesweiten Koordinierungskreises gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V.

Im Rahmen der Vorlesungsreihe „Menschenrechte ohne Grenzen“ hielten am 15. Mai Naile
Tanis und Margarete Muresan vom Bundesweiten Koordinierungskreis gegen Frauenhandel
und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V. (KOK) einen Vortrag bei uns an der FU
Berlin.

Der KOK ist ein bundesweiter Zusammenschluss von 37 Frauenorganisationen und
Fachberatungsstellen, der sich als Schnittstelle zwischen Arbeit mit betroffenen
Personen und Öffentlichkeitsarbeit für die Bekämpfung jeglicher Gewalt an Frauen im
Migrationsprozess, die Umsetzung nationaler und internationaler Standards in diesem
Zusammenhang sowie die Verbesserung der aufenthalts- und arbeitsrechtlichen Situation
von Migrant_innen einsetzt. Neben allgemeinen Fakten zum Menschenhandel in
Deutschland teilten die Referentinnen auch Eindrücke von der praktischen Arbeit mit uns.

Was bedeutet Menschenhandel?

Wenn Menschen durch Gewaltanwendung, Täuschung oder Drohung angeworben und
zur Aus- bzw. Fortführung von ausbeuterischen Dienstleistungen und Tätigkeiten gebracht
werden, spricht der KOK von Menschenhandel. Zu differenzieren sei auch zwischen den
Begriffen Schleusung und Menschenhandel, da Menschenhandel nicht unbedingt einen
Grenzübertritt erfordert und eine Schleusung nicht unbedingt ein Ausbeutungsverhältnis zur
Folge hat.

Menschenhandel ist ein zunehmendes Teilphänomen der Arbeitsmigration und stellt
eine systematische Menschenrechtsverletzung dar, von der zum größten Teil Frauen
betroffen sind. Dennoch liegt man falsch mit der Annahme, dass die Ausbeutung der
Frauen hauptsächlich in Form von sexueller Ausbeutung besteht. Menschenhandel
erfolgt auch in der Arbeitsausbeutung in Bereichen/Branchen, wie zum Beispiel der
Landwirtschaft, der Gastronomie, im Hotelgewerbe, in der Pflege, im Haushalt, beim Bau, in
der Fleischverarbeitung oder auch bei Betteltätigkeiten. Es existieren auch Projekte von den
Gewerkschaften gegen Menschenhandel.

Wie hilft man betroffenen Personen?

Die im KOK organisierten Fachberatungsstellen bieten kostenlos und anonym
Beratungsgespräche an, die meistens in der Muttersprache der Betroffenen erfolgen. Wenn
eine Person mit den Fachberatungsstellen zusammenarbeiten möchte, bestehen Angebote
die Klient_innen auch bei der Perspektivenentwicklung in Deutschland. Viele der
Betroffenen möchten jedoch, nachdem sie aus dem Ausbeutungsverhältnis entkommen sind,
in ihre Heimat zurückkehren.

Selten finden Personen direkt ihren Weg zu den Fachberatungsstellen. Meist wird
der Kontakt über die Behörden hergestellt. Zunehmend etabliert haben sich in den
Bundesländern sogenannte Kooperationsvereinbarungen zwischen der Polizei und den
Nichtregierungsorganisationen, welche Resultate langwieriger Prozesse darstellen, in denen
man zum Bewusstsein gekommen ist, dass eine Kooperation den Zielen beider Seiten
(Strafverfolgung und Opferbetreuung) dient.

Relativierte Vorstellungen von Menschenhandel

Was der Vortrag auf jeden Fall erreicht hat, ist dass das Bild welches viele von
Menschenhandel haben deutlich differenzierter und detaillierter wurde. Zwar sind die
meisten Opfer Frauen, aber die Täterseite besteht auch nicht ausschließlich aus Männern.
Teilweise werden aus vom Menschenhandel betroffenen Personen später Täter, die sich
in Systeme einfügen, wie das Beispiel der nigerianischen „Madames“ zeigt. Dennoch ist
Menschenhandel kein Phänomen, das sich auf organisierte Kriminalität beschränkt. Oft hat
man es auch mit Einzeltätern zu tun. Davon unabhängig bemerken Frauenorganisationen,
dass bei einer Verurteilung der Täter_innen das Strafmaß oft noch zu gering sei.


Weitere Informationen zum Thema findet ihr hier:

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