Menschenrechte und die medizinische Forschung – Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf

Rückblick 20.05. – Vortrag von Prof. Dr. Dr. Eric HilgendorfMenschen­rechte, Menschenwürde und die medizi­nische Forschung — Bioethische Fragen der Zukunft

Prof. Dr. Dr. Hilgendorf
Prof. Dr. Dr. Hilgendorf

In der fünf­ten Vorlesung der dies­jäh­ri­gen Reihe war Prof. Dr. Dr. Hilgendorf von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zu Gast am Otto-Suhr-Institut. Herr Hilgendorf be­gann sei­nen Vortrag mit ei­ni­gen grund­le­gen­den Überlegungen zum Begriff der Menschenwürde. Nach ei­ner his­to­ri­schen Herleitung der Idee im Rahmen der Aufklärung und der Entstehung der Rechtsfigur als Antwort auf die Verbrechen ge­gen die Menschlichkeit, wäh­rend der NS-Zeit, leg­te er die ver­fas­sungs­recht­li­che Bedeutung der Menschenwürde und ih­re zen­tra­le Stellung im deut­schen Grundgesetz dar, wo­bei er ins­be­son­de­re be­ton­te, wie wich­tig für ihr Ansehen auch der Schutz vor in­fla­tio­nä­rem Gebrauch des Schutzaspekts sei.

Menschenwürdeverletzungen sei­en so als Begriff nur in Zusammenhang mit schwers­ten Verletzungen wi­der un­se­rer mo­ra­li­schen Tradition als sol­che zu be­zeich­nen. Dabei bleibt die Menschenwürde ei­ne schwer fass­ba­re Rechtsfigur, die laut BVerfG nicht all­ge­mein de­fi­niert wer­den kann, was wie­der­um auch zu schwie­ri­gen Entscheidungssituationen in Grenzbereichen füh­ren kann. Diesen Grenzfällen wid­me­te sich Herr Prof. Hilgendorf im zwei­ten Teil des Vortrags.

An Hand ver­schie­de­ner Beispiele wur­den so Problemfälle in Bezug zur Einwilligungsfähigkeit, ins­be­son­de­re in der Forschung, Versuche an Menschen all­ge­mein, Forschung ge­gen den Willen der Beforschten und an­de­re Themen de­bat­tiert. Dabei wur­de deut­lich, dass nicht je­de straf­recht­lich re­le­van­te Handlung ge­gen den Körper oder Willen ei­ner Person ei­nen Menschenwürde-Bezug be­sitzt. Vielmehr muss hier von Fall zu Fall ei­ne Prüfung der Verhältnismäßigkeit statt­fin­den. Herr Hilgendorf ori­en­tier­te sich da­bei auch an der sog. Emblemtheorie, die die Kernaspekte der Menschenwürde in ver­schie­de­nen Ausprägungen be­schreibt.

Den letz­ten Teil der Vorlesung wid­me­te der Professor dann Problemen der „Zukunft“. In Bezug zu den gro­ßen technisch-biologisch-medizinischen Fähigkeiten der Wissenschaft ent­stan­den so ei­ni­ge span­nen­de Debatten, de­nen Herr Hilgendorf viel Platz ein­räum­te. Dabei wur­den von trans­hu­ma­nis­ti­schen Ideen der Optimierung physisch-menschlicher Fähigkeiten, über die Genmanipulation, bis hin zu zu­künf­ti­gen Fragen der Robotik vie­le span­nen­de Themen be­rührt, auf de­ren Fragen zum heu­ti­gen Zeitpunkt kei­ne Antwort ge­ge­ben wer­den kann, die je­doch schon ei­nen sehr ak­tu­el­len Bezug der Debatte ver­deut­lich­ten. Zentral war hier der Gedankengang, ob der Menschenwürdeaspekt ein Menschenbild schüt­zen soll, oder aber ei­nen rei­nen Schutzgedanken auf das Individuum ent­fal­tet. Zwischen po­li­ti­schen Aspekten und fachlich-rechtlichen sei so nach Prof. Hilgendorf streng zu tren­nen.

Über die Debatte der Vorlesung hin­aus gibt das Buch „Menschenwürde und Medizin – ein in­ter­dis­zi­pli­nä­res Handbuch“, er­schie­nen bei Duncker & Humboldt und des­sen Mit-Herausgeber Hr. Hilgendorf ist, Einblick in ak­tu­el­le Fragestellungen.  An die­ser Stelle noch­mals vie­len Dank an Herrn Hilgendorf für Ihr Kommen, den in­spi­rie­ren­den Vortrag und die leb­haf­te Debatte und auch an al­le Zuhörer die trotz des strah­len­den Sonnenscheins ih­ren Weg ins Otto-Suhr-Institut fan­den. Wir hof­fen Sie al­le bei ei­ner zu­künf­ti­gen Sitzung wie­der be­grü­ßen zu dür­fen.

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