Auftakt der Human Rights Lectures – Prof. Dr. Bernd Ladwig

Rückblick 22.04 – Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Bernd Ladwig “Wissenschaft und Menschenrechte: Begriffliche und normative Überlegungen”

Prof. Dr. Bernd Ladwig
Prof. Dr. Bernd Ladwig

Der Vortrag von Prof. Dr. Bernd Ladwig be­schäf­tig­te sich mit be­griff­li­chen und nor­ma­ti­ven Überlegungen zu Menschenrechten und Wissenschaft und da­bei ins­be­son­de­re mit der Wissenschaft als Menschenrecht, Menschenrechte als Gegenstand der Wissenschaft und der Wissenschaft als po­ten­ti­el­le Gefahr für Menschenrechte. Durch sei­nen Vortrag lei­te­te er die Vortragsreihe Human Rights in Academia ein und ver­schaff­te ei­nen ers­ten Einblick in die Materie der Menschenrechte im Zusammenhang mit der Wissenschaft. Zu al­ler­erst wur­de die Wissenschaft aus zwei un­ter­schied­li­chen Perspektiven, der op­ti­mis­ti­schen und der de(kon)struktiven Erzählung, be­trach­tet. Nach den zwei Betrachtungsweisen kann die Wissenschaft als Inbegriff des Fortschritts, bis hin zur Instrumentalisierung der mas­sen­haf­ten Vernichtung ge­se­hen wer­den.

Prof. Dr. Ladwig be­han­del­te im Folgenden den Begriff der Wissenschaft und Menschenrechte im Einzelnen. Die Wissenschaft kann als in­sti­tu­tio­nell aus­dif­fe­ren­zier­te Kommunikation um der Erkenntnis wil­len ver­stan­den wer­den, wo­bei der Schwerpunkt des Begriffes bei der be­zweck­ten Erlangung ei­ner Erkenntnis liegt. Die Wissenschaft sol­le im bes­ten Falle kri­tisch agie­ren und sich selbst in Gestalt ih­rer Theorien und Hypothesen hin­ter­fra­gen, oh­ne dass sie des­halb aber auch mo­ra­li­sche Urteile ein­schlie­ßen müs­se. Menschenrechte hin­ge­gen stel­len gül­ti­ge Ansprüche ei­nes je­den Menschen dar und neh­men die Akteure in po­li­ti­schen Kontexten in die Pflicht. Sie ge­währ­leis­ten grund­le­gen­de und zen­tra­le Güter und er­mög­li­chen so ein mensch­li­ches und men­schen­wür­di­ges Leben. Dann wid­me­te sich Prof. Dr. Ladwig dem Thema der Wissenschaft als Menschenrecht. Gemäß Art. 5 III GG stellt die Wissenschaft ein Grundrecht dar; für ei­ne men­schen­recht­li­che Begründung die­ses Grundrechtes könn­te et­wa spre­chen, dass der Mensch ein zur Neugier ver­an­lag­tes Wesen sei, das um sei­ner Selbstbestimmung wil­len an der Wahrheit ori­en­tiert sein soll­te. Die Forschung und Wissenschaft sind für Gesellschaften es­sen­ti­ell, um die Selbstbestimmung als Wert zu er­hal­ten. Im Sinne der Wissenschaft als Menschenrecht un­ter­stüt­zen Gesellschaften, die die Wissenschaft för­dern, auch die Menschenrechte.

In ei­nem zwei­ten Schritt be­trach­te­te Prof. Ladwig die Menschenrechte als Gegenstand der Wissenschaft. Menschenrechte müss­ten in­ter­dis­zi­pli­när, un­ter Beteiligung min­des­tens der Philosophie, der Rechtswissenschaften und der Politikwissenschaft, er­forscht wer­den. Die „Verwissenschaftlichung“ der Menschenrechte kann je­doch be­trof­fe­ne Stimmen ent­eig­nen und so­mit ei­ne Gefahr in sich ber­gen, wel­ches an den drit­ten und letz­ten Punkt an­schließt, die Wissenschaft als Gefahr für die Menschenrechte. Dabei ging es um mög­li­che un­zu­läs­si­ge wis­sen­schaft­li­che Instrumente und Vorgehensweisen ei­ner­seits, um mög­li­che un­zu­läs­si­ge Fragen und Bezugnahmen an­de­rer­seits (z.B.: die Experimente in­ner­halb der Konzentrationscamps zur NS-Zeit). Schwieriger wird die Bestimmung je­doch, wenn es um Fragen der Intelligenzforschung oder der Forschung an mensch­li­chen Embryonen geht, wel­ches im Folgenden zu dis­ku­tie­ren galt. Abschließend be­ant­wor­te­te Prof. Dr. Ladwig die Frage, ob die Wissenschaft op­ti­mis­tisch oder de­kon­struk­tiv be­trach­tet wer­den soll­te mit den Worten, dass Wissenschaft als Fortschritt be­trach­tet wer­den müs­se und er die Wissenschaft als es­sen­ti­el­len und wei­ter­brin­gen­den Wert un­se­rer Gesellschaft an­sieht.

Wie weit darf die Wissenschaft ge­hen? Was ist noch men­schen­rechts­wür­dig? Wie kön­nen bei­de Aspekte zu­sam­men­ge­bracht wer­den und un­se­re Gesellschaft för­dern oder auch scha­den? Auf die­se Fragen und Inhalte wer­den wei­te­re Referenten/innen in den kom­men­den Wochen ein­ge­hen. Wir möch­ten Prof. Dr. Ladwig herz­lichst für sei­nen ver­tief­ten ers­ten Einblick über die Wissenschaft und Menschenrechte dan­ken.

 

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