Rassen-“Wissenschaft” in Dahlem – Dr. Bilgin Ayata

Rückblick 15.07. – Vortrag von Dr. Bilgin Ayata “Rassen-“Wissenschaft” in Dahlem”

In der letzten Sitzung unserer Vorlesungsreihe hatten wir die Ehre, Frau Dr. Bilgin Ayata, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft sowie die Studierenden Thiago Barbosa, Owen Brown, Julia Kirchner, Lili Mundle und Julia Scheuerder, Organisatoren der Ausstellung Manufacturing Race, begrüßen zu dürfen.

Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie & anthropologisch fundierter Rassismus

Zunächst wurde die koloniale Ausbreitung des deutschen Reiches in Erinnerung gerufen, woraufhin Dr. Ayata, im Bezug auf das international anerkannte Kaiser Wilhelm Institut für Anthropologie (KWI), menschliche Erblehre und Eugenik, ansässig in den heutigen Räumlichkeiten des Otto-Suhr-Instituts, die Rolle des deutschen Reiches unter Hitler bezüglich anthropologisch rassistischer Forschung erläuterte.

Gegründet wurde das Institut im September 1927 und verfolgte seit jeher eng mit der Politik verflochtene Ziele, da es teils auch mit staatlichen Mitteln finanziert wurde. Rasse wurde hier als wissenschaftliche Kategorie behandelt, zu dem mannigfache Forschungen angestellt wurde, unter anderem die Messung der Schädelform zum Beweis der grundlegenden Unterschiede zwischen den Rassen, zugunsten der nordischen Rasse auf Kosten der kolonialisierten Völker. Zu den Besonderheiten des Instituts zählte unter anderem dessen enorme Schädelsammlung, die aus 4000-5000 Einzelteilen bestand, welche teilweise aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika stammten.

Forscher_innen am Kaiser-Wilhelm-Institut

Zu den, für die Geschichte des KWI’s, bedeutendsten Persönlichkeiten zählte unter anderem Eugen Fischer, erster Direktor des Instituts welcher mit seiner Studie über die „Rehoboter Bastarden“ große Berühmtheit erlangte. Im Wesentlichen handelt es sich um die Erforschung der Kinder, welche aus der Verbindung von Frauen des Nama-Stammes und europäisch-stämmigen Einwohnern Südafrikas und Namibias entstanden sind. Aufgrund der Popularität die er dadurch erlangte, diente er anderen Forschern als Beispiel wie auch Wolfgang Abel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am KWI, welcher eine vergleichbare Studie zu den „Rheinlandbastarden“, Kinder aus deutsch-afrikanischen Verbindungen, veröffentlichte.

Auch Frauen wie beispielsweise Rita Hauschild waren als anthropologische Forscherinnen für das KWI tätig und lieferten dem ausgeübten Rassismus eine ,,wissenschaftlich fundierte‘‘ Basis. Auch auf internationaler Ebene erfuhr das KWI große Anerkennung, sodass Forscher aus aller Welt kamen, wie Iravati Karvé, Pionierin der indischen Anthropologie, um physische anthropologische Forschung zu betreiben.

Nach Ende des 2. WK gab es keine Wiedereröffnung, da das Institut und dessen Mitarbeiter in NS-Verbrechen involviert waren. Am Beispiel des letzten Direktors des KWI, Ottmar Freiherr von Verschuer, zeigt sich, dass dennoch viele der hier verübten Verbrechen ungesühnt blieben, da er bereits 1951 wieder als Professor an der Universität Münster tätig war.

Kolonialisierung & Rassismus in der heutigen Erinnerung

In von den referierenden Studenten gedrehten Videos, welche junge Menschen mit der Frage konfrontiert ob Rassismus und Kolonialisierung in einem Zusammenhang stehen, wird deutlich dass hier oft eine Wissenslücke besteht, welcher die Geschichtsforscherin Dr. Christl Wickert entgegen zu wirken versucht indem sie durch ihren engagierten Einsatz die Anbringung einer Tafel am Eingang des Otto-Suhr-Instituts veranlasste, welche dem interessierten Leser die Vergangenheit der Räumlichkeiten näher bringt und als Mahnmal für Forscher_innen und angehende Wissenschaftler_innen dienen soll.

Die Verantwortung als Forscher_in

Bezüglich der Frage der Verantwortung der Wissenschaftler zu ihrer Forschung und der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen wurden uns in den Videos von befragten Professor_innen und Forscher_innen der Freien Universität Berlin unterschiedlichste Meinungen präsentiert. Zusammenfassend gesagt trägt man als Forscher zwar Verantwortung für die Inhalte seiner Forschung jedoch selbst mit den besten Absichten veröffentlichte Forschungsergebnisse können in gegenteiligem Interesse verwendet werden.

Zum Abschluss unserer Vorlesungsreihe konnten wir mit dieser Sitzung noch einmal geografisch auf, unserer eigene Universität zurück kommen und an diesem Beispiel zeigen, in welchem Verhältnis Menschenrechte und Wissenschaft zueinander stehen und inwiefern wir als angehende Wissenschaftler_innen in die Pflicht genommen sind, verantwortungsvoll mit unserer Forschung umzugehen.

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