Programm 2015

Human Rights Lectures − Migration

 

Human Rights in Academia

09.06. − Migration – What’s In A Name?

Dr. Bilgin Ayata, Freie Universität Berlin (Politikwissenschaft)

Arbeitsmigration, Zwangsmigration, Binnenmigration, il­le­ga­li­sier­te Migration, Trafficking, Flucht, Exil: was ge­nau tren­nen die­se Begriffe und Konzepte von­ein­an­der, wor­über spre­chen wir, und was las­sen wir aus wenn wir von Migration spre­chen? Was liegt den Unterschei-dungen von frei­wil­li­ger Migration (z.B. Arbeitsmigration) oder un­frei­wil­li­ger Migration (z.B. Flucht, Zwangsmigration) ge­nau zu­grun­de, wes­halb gilt in der Migrationsforschung und in der Politik z.B. Armut nicht als ein Kriterium von un­frei­wil­li­ger Migration? Frau Ayatas Vortrag un­ter­sucht die Grundbegriffe über Migration aus post­ko­lo­nia­ler Perspektive und setzt sich kri­tisch mit staats­zen­trier­ter Migrationsforschung aus­ein­an­der, die Grenzen als ei­ne na­tür­li­che Gegebenheit auf­grei­fen statt die­se zu pro­ble­ma­ti­sie­ren. Der Vortrag wird auch auf die ge­gen­wär­ti­gen Flüchtlingsproteste ein­ge­hen, die die die­se staats­zen­trier­te Auffassungen von Migration mit ih­ren Protesten dia­me­tral in Frage stel­len und zu ei­nem Umdenken der Kategorien von Armut, Flucht, Arbeit, Grenze, Konflikt auf­ru­fen.

Dr. Bilgin Ayata lehrt an der Freien Universität Berlin am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften an der Arbeitsstelle Transnationale Beziehungen und Außen- und Sicherheitspolitik. Die Forschungsinteressen von Dr. Ayata lie­gen bei Schnittstellen von Internationalen Beziehungen und ver­glei­chen­der Politik mit Fokus auf Migration, eth­ni­schen Konflikten, trans­na­tio­na­lem Aktivismus und Politik der Erinnerung. Ihr re­gio­na­ler Schwerpunkt um­fasst den Nahen Osten, die MENA-Region und Europa, ins­be­son­de­re die Türkei und den kur­di­schen Konflikt. Sie hat Feldforschung in ver­schie­de­nen EU-Ländern und der Türkei duch­ge­führt und da­bei die ver­schie­de­nen Formen von Zwangsmigration und ih­ren po­li­ti­schen Auswirkungen un­ter­sucht.

>> Bericht zu Bilgin Ayatas Vorlesung

 

16.06. − Zur medialen Repräsentation von Migrantinnen

Prof. Dr. Margreth Lünenborg, Freie Universität Berlin (Publizistik und Kommunikationswissenschaft)

‘Ehrenmorde’, ‘Kopftuchmädchen’, ‘Zwangsprostitution’ – in der me­dia­len Repräsentation von Migrantinnen über­wiegt das Stereotyp des hilfs­be­dürf­ti­gen, weib­li­chen Opfers, oft­mals kon­tras­tiert zum „ro­le mo­del“ der west­li­chen, eman­zi­pier­ten Frau. Insbesondere die po­li­ti­sche Berichterstattung greift auf ste­reo­ty­pe Negativzuschreibungen zu­rück, wäh­rend sich in der Lokalberichterstattung ei­ne grö­ße­re Vielfalt von Rollen und Bildern fin­det. Alltagsweltliche Bezüge er­mög­li­chen hier ein hö­he­res Maß an Sichtbarkeit von Diversität. Margreth Lünenborg prä­sen­tiert Ergebnisse der Medienforschung zur Repräsentation von Migrant*innen in Tageszeitungen so­wie auch in Fernsehformaten. Sie dis­ku­tiert die Befunde vor dem Hintergrund ge­sell­schaft­li­cher Erwartungen an Medien. Mit dem Konzept „Cultural Citizenship“ ent­wirft sie ei­nen Rahmen, der die Relevanz me­dia­ler Teilhabe als Dimension von Staatsbürgerschaft deut­lich wer­den lässt.

Prof. Dr. Margreth Lünenborg hält seit 2009 ei­ne Professur für Journalistik an der Freien Universität Berlin. Ihr Studium der Journalistik ab­sol­vier­te sie an der Universität Dortmund, be­vor sie für ih­re Promotion an die FU Berlin wech­sel­te. Im Anschluss ar­bei­te­te Prof. Dr. Lünenborg kurz­zei­tig als Pressesprecherin des Ministeriums für Frauen, Jugend und Wohnungsbau des Landes Schleswig-Holstein, ent­schied sich schließ­lich aber für ei­ne wis­sen­schaft­li­che Karriere. Im Jahr 2005 ha­bi­li­tier­te sie an der Universität Dortmund und hat­te seit­dem ver­schie­de­ne Lehrpositionen in­ne. Ihre Forschungsschwerpunkte lie­gen u.a. in der Kommunikationswissenschaftlichen Geschlechterforschung und im Bereich von Migration und Medien. Seit 2011 ist sie zu­dem die wis­sen­schaft­li­che Leiterin der Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung (ZEFG), so­wie seit 2014 Sprecherin des Interdisziplinären Zentrums Geschlechterforschung.

>> Bericht zu Margreth Lünenborgs Vorlesung

 

23.06. − Recht auf Arbeit für Migrant*innen

Anton Schünemann, ARRIVO Berlin, Ausbildungs- und Berufsinitiative zur Integration von Flüchtlingen in den Berliner Arbeitsmarkt

Wie setzt man ein ‘Recht auf Arbeit’ für ge­flüch­te­te Menschen in der Arbeitswelt Berlins prag­ma­tisch um? Die Ausbildungs- und Berufsinitiative ARRIVO BERLIN fin­det Antworten auf die­se Frage: Geflüchtete Menschen kön­nen, ge­nau wie in­ter­es­sier­te Betriebe, die auf der Suche nach Auszubildenden oder Mitarbeitenden sind, mit ARRIVO BERLIN in Kontakt tre­ten. Das Team ver­mit­telt die je­wei­li­gen Interessenlagen, be­glei­tet die bei­der­sei­ti­ge Kontakt-aufnahme, un­ter­stützt den Kennenlernprozess durch die Betreuung von Praktika und steht als Ansprechpartner für jeg­li­che Rückfragen zur Verfügung. Für die best­mög­li­che Unterstützungs-leistung ko­ope­riert die Initiative mit Flüchtlings- und Rechtsberatungsstellen, Wirtschafts-verbänden und -ver­tre­tun­gen so­wie Schulungs- und Ausbildungszentren. Neben der Vermittlungsarbeit in­for­miert ARRIVO BERLIN im Rahmen der Kampagne ‘Flüchtling ist kein Beruf. Talente brau­chen Chancen’ über die Möglichkeit der Arbeitsaufnahme von ge­flüch­te­ten Menschen. Nach ih­rem halb­jäh­ri­gen Bestehen kann im Rahmen des Vortrags von ers­ten Erfahrungen zu den Möglichkeiten und Grenzen der Arbeitsaufnahme von Menschen mit Flüchtlingshintergrund be­rich­tet wer­den.

Anton Schünemann ist Projektleiter bei ARRIVO Berlin.

>> Bericht zu Anton Schünemanns Vorlesung

 

30.06. − Migrant*innen auf dem Arbeitsmarkt und als Existenzgründer*Innen – Theorie und Praxis

Asma Sarraj-Herzberg, Arbeiterwohlfahrt (AWO) und Heinrich-Böll-Stiftung

Der Vortrag wird in ei­nem theo­re­ti­schen Teil zu­erst ei­nen kur­zen Überblick über den recht­li­chen Rahmen, ins­be­son­de­re Aufenthaltsrecht, Arbeitsrecht, Sozialrecht, Arbeits-schutzrecht etc. ge­ben. In ei­nem zwei­ten Teil wird Frau Sarraj-Herzberg, dann prak­ti­sche Perspektiven an­schnei­den, wie un­ter an­de­rem, den Arbeitsmarktzugang für Drittstaats-angehörige mit Aufenthaltsrecht in von der Wirtschaftskrise be­trof­fe­nen Mitgliedstaaten der EU, den Arbeitsmarktzugang für Asylbewerber*innen im lau­fen­den Asylverfahren und für Geduldete (sic!), die auf­ent­halts­recht­li­chen Hürden bei der Realisierung von Berufsaus-bildungen für Personen, die als un­be­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flüchtlinge ein­ge­reist sind und die Anerkennung aus­län­di­scher Berufsqualifikationen.
Dabei wird Frau Sarraj-Herzberg ins­be­son­de­re ih­re prak­ti­schen Erfahrungen als Beraterin und Begleiterin Geflüchteter mit­ein­brin­gen und dar­le­gen, wie aus Ihrer Sicht eman­zi­pa­to­ri­sche Praktiken ent­ste­hen und be­stehen kön­nen.

Asma Sarraj-Herzberg wur­de in Tunis (Tunesien) ge­bo­ren und stu­dier­te Politologie und Jura an den Universitäten Tunis und Lille (Frankreich). Nach ih­rem Jurastudium ar­bei­te­te sie als Rechtsanwältin in Tunis, so­wie als Rechtsberaterin für Migranten in Lille. Heute lebt sie in Berlin und ar­bei­tet als Beraterin für die Asylerstberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Die Asylerstberatung ist als Anlaufstelle für er­wach­se­ne Flüchtlinge ins Leben ge­ru­fen, um ih­nen ei­ne Orientierung über das deut­sche Asylverfahren und in­di­vi­du­el­le Chancen zu bie­ten. Zudem bie­tet sie Vorbereitungen für Flüchtlinge auf die Anhörungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge an.

 >> Bericht zu Asma Sarraj-Herzbergs Vorlesung

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.