Programm

Human Rights in Academia − Zur Bedeutung von Menschenrechten für die Wissenschaft

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Human Rights in Academia

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22.04. − Wissenschaft und Menschenrechte − begriffliche und normative Überlegungen

Prof. Dr. Bernd Ladwig, Freie Universität Berlin

Zum Auftakt der Vorlesungsreihe klärt Prof. Dr. Bernd Ladwig am 22. April in ei­nem ein­füh­ren­den Überblick grund­le­gen­de Fragen zum Thema Menschenrechte und Menschenrechtsforschung so­wie zur Beziehung zwi­schen Wissenschaft und Menschenrechten.

Prof. Dr. Bernd Ladwig ist Professor für po­li­ti­sche Theorie an der Freien Universität Berlin, wo er ne­ben mo­der­ner po­li­ti­scher Theorie auch zu Wissenschaftstheorie lehrt. Sein Diplomstudium in Politikwissenschaft schloss er eben­falls an der Freien Universität ab und pro­mo­vier­te an­schlie­ßend an der Humboldt Universität Berlin zum Thema “Gerechtigkeit und Verantwortung. Eine Studie zum Gleichheitsverständnis des ethi­schen Liberalismus”. In sei­ner po­li­ti­schen Forschungstätigkeit setzt er ne­ben Menschenrechten Schwerpunkte bei Gerechtigkeit und Gleichheit, “Gerechtem Krieg”, Normativen Theorien glo­ba­ler Beziehungen, Multikulturalismus, Einwanderung, Demokratietheorien und ak­tu­ell auch zu Tierrechten. Zuletzt ver­öf­fent­lich­te er ge­mein­sam mit Timo Pongrac ei­nen Materialband “Moderne po­li­ti­sche Theorie” (2013) und Aufsätze “Global jus­ti­ce, cos­mo­po­li­ta­nism and mo­ral path de­pen­d­en­cy” (2012) so­wie “Gerechte Bildung” (2012). Zudem lei­tet er das Teilprojekts B9 „Metaprobleme der Legitimität in Räumen be­grenz­ter Staatlichkeit“ im Sonderforschungsbereich 700: Governance in Räumen be­grenz­ter Staatlichkeit. Im SoSe 2014 ist er als Fellow am Max-Weber-Kolleg in Erfurt.

» Rückblick: Vortrag Prof. Dr. Bernd Ladwig


 

29.04. − [ENGLISCH] Women’s Rights as Human Rights: A Tool for Invisibilizing Other Knowledge?

Prof. Dr. Verónica Schild, University of Western Ontario

This power­ful po­li­ti­cal slo­gan has en­ab­led know­ledge about women’s is­su­es to be pla­ced front and cen­ter in the trans­na­tio­nal and na­tio­nal are­nas. The ques­ti­on ma­ny are as­king, is who gets to de­fi­ne women’s rights? And, what other know­ledge is ren­de­red in­vi­si­ble?

Prof. Dr. Verónica Schild is Associate Professor of Political Science at the University of Western Ontario and cur­r­ent­ly vi­si­ting pro­fes­sor for Gender Studies at the Freie Universität Berlin, as well as vi­si­ting fel­low at the Research Network for Interdependent Inequalities in Latin America, desiguALdades.net, at this uni­ver­si­ty. Professor Schild spe­cia­li­zes in Latin American and Comparative po­li­tics, and in con­tem­pora­ry cri­ti­cal theo­ry, with an em­pha­sis on fe­mi­nist is­su­es, neo­li­be­ral go­vernmen­ta­li­ty, and ci­ti­zenship.

 » Review: Lecture by Prof. Dr. Verónica Schild


 

06.05. − [ENGLISCH] Decolonizing Enlightenment: Affirmative Sabotage of the Master’s Tools

Prof. Dr. Nikita Dhawan, Goethe-Universität Frankfurt a.M.

Nikita Dhawan’s talk will en­ga­ge with the al­le­ga­ti­on whe­ther the dis­cour­se of hu­man rights is an ideo­lo­gi­cal ex­pres­si­on of a co­er­ci­ve will to power of the glo­bal North. Or does it perhaps func­tion as an aspi­ra­tio­nal ide­al and his­to­ri­cal cor­rec­tive to past in­jus­ti­ces and em­powers di­sen­fran­chised in­di­vi­du­als and groups?

Prof. Dr. Nikita Dhawan is Junior Professor of Political Science for Gender/Postcolonial Studies, Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, Goethe University Frankfurt. She has held vi­si­ting fel­low­ships at the Universidad de Costa Rica, Institute for International Law and the Humanities, The University of Melbourne, Australia; Program of Critical Theory, University of California, Berkeley, USA; University of La Laguna, Tenerife, Spain; Pusan National University, South Korea; Columbia University, New York, USA. Her pu­bli­ca­ti­ons in­clu­de Impossible Speech: On the Politics of Silence and Violence (2007), Decolonizing Enlightenment: Transnational Justice, Human Rights and Democracy in a Postcolonial World (ed., 2014), Postkoloniale Theorie: Eine kri­ti­sche Einführung (zwei­te über­ar­bei­te­te und er­wei­te­te Auflage 2014; zu­sam­men mit Maria do Mar Castro Varela).

 » Review: Lecture by Prof. Dr. Nikita Dhawan


 

13.05. − [ENGLISCH] Researching Human Rights in International Relations and its Practical Implications

Sarah Brockmeier, Global Public Policy Institute (GPPi)
Ashley Gongaware, Berlin Graduate School for Transnational Studies

In their pre­sen­ta­ti­on, Ashley Gongaware and Sarah Brockmeier will gi­ve an in­sight in their cur­rent work on re­se­ar­ching hu­man rights in the field of in­ter­na­tio­nal re­la­ti­ons and its prac­tical ap­p­li­ca­bi­li­ty.

Ashley Gongaware is cur­r­ent­ly PhD-candidate of the Berlin Graduate School for Transnational Studies, working on “Human rights so­cia­li­za­ti­on and (non-)compliance – Roma ex­pul­si­on in the EU“. Previously she stu­di­ed Social Sciences at the Humbold University Berlin, International Peace Studies at Trinity College Dublin and Psychology at the Lock Haven University Pennsylvania, USA. She herself was en­ga­ged in several re­se­arch pro­jects and worked in­de­pendent­ly, con­cer­ning for in­s­tan­ce LGBT hu­man rights so­cia­li­za­ti­on in the EU.

Sarah Brockmeier is re­se­arch as­so­cia­te with the Global Public Policy Institute in Berlin (GPPi) and Deputy Director of the ad­vo­cacy NGO Genocide Alert. In both po­si­ti­ons she works on the im­ple­men­ta­ti­on of the Responsibility to Protect. She holds a bachelor’s de­gree from the Jacobs University Bremen and a M.Phil in Inter­na­tional Relations of the University of Cambridge. She worked for two ye­ars at UN Development Operations Coordi­nation Office in New York – first as a fel­low of the Carlo Schmid Programme and la­ter as a con­sul­tant. Most re­cent­ly she pu­blished ar­ti­cles on Germany’s ab­s­ten­ti­on on the Libya in­ter­ven­ti­on in 2011, the German ro­le du­ring the Rwandan Genocide and Germany’s en­ga­ge­ment in South Sudan.

» Review: Lecture by Sarah Brockmeier & Ashley Gongaware 


 

20.05. − Menschenrechte, Menschenwürde und die medizinische Forschung – Bioethische Fragen der Zukunft

Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf ist Ordinarius für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtstheorie, Informationsrecht und Rechtsinformatik an der Universität Würzburg. Sein Vortrag wird sich mit zu­künf­ti­gen und grund­le­gen­den Fragestellungen der Bioethik be­schäf­ti­gen. Dabei wird u.a. the­ma­ti­siert, wie me­di­zi­ni­scher Fortschritt und die Dialektik der dar­in ent­hal­te­nen evo­lu­ti­ons­theo­re­ti­schen Diskurse, in Bezug auf die Veränderung von Genmaterial, Nanotechnologie usw., Herausforderungen an die Philosophie der Menschenrechte stel­len und die­se zu­künf­tig prä­gen werden.Dabei wird grund­le­gend er­ör­tert, wel­che Prinzipien die Menschenrechte der Medizinforschung und -ent­wick­lung zu Grunde le­gen und wie ganz kon­kret mög­li­che Gefährdungen für un­ser Verständnis der Menschenrechte be­stehen. Die da­hin­ter ste­hen­de Frage ist, ob die Grundlage der Menschenrechte, die Würde des Menschen, die er auf Grund sei­ner evo­lu­tio­nä­ren Einzigartigkeit be­sitzt, durch die Fähigkeit des Menschen, sich auf Grund des wis­sen­schaft­li­chen Fortschritts selbst zu evo­lu­tio­nie­ren, ge­fähr­det wird.

» Rückblick: Vortrag Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf


 

03.06. − Aufdecken, Handeln, Aufklären, Verändern: Einblicke in die Arbeitsweise von Amnesty International am Beispiel des globalen Einsatzes gegen Folter

Selmin Çalışkan, Amnesty International

Mit sei­nen zahl­rei­chen Publikationen, vor al­lem auch dem re­no­mier­ten Jahresbericht zur Lage der Menschenrechte welt­weit, ist Amnesty International ei­ne viel ge­nutz­te Informationsquelle für Forschende im Bereich der Menschenrechte. Die Untersuchungen, die von Mitarbeiter_innen der Organisation aus dem Internationalen Sekretariat in London durch­ge­führt wer­den und oft auch vor Ort oder in Zusammenarbeit mit ört­li­chen Menschenrechtszentren und -or­ga­ni­sa­tio­nen statt­fin­den, sind die Grundlage für sämt­li­che Empfehlungen an Regierungen und öf­fent­li­chen Aktionen. Doch wie ge­nau wird re­cher­chiert und wor­auf wird hier­bei ge­ach­tet? In die­ser Sitzung wird sich Selmin Çalışkan damit ausein­an­der­setzen, wo­her die­se Infor­ma­tionen zu Menschen­rechts­ver­let­zungen welt­weit kom­men und im Anschluss auf den ak­tu­el­len Bericht der Stop-Folter-Kampagne ein­ge­hen.

Selmin Çalışkan ist General­se­kretärin der deut­schen Sektion von Amnesty Inter­na­tional. Ihre be­ruf­li­che Erfah­rungen rei­chen von Flücht­lings­be­ratung über Arbeit mit Frauen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen in Afgha­nistan bis zur Lobby­arbeit in Brüssel. Ab 2003 steu­er­te und be­glei­te­te sie in Afgha­nistan, Liberia und in der Demokra­tischen Republik Kongo die Frauen– und Menschen­rechts­arbeit für Medica Mondiale. Dort bau­te sie maß­geb­lich den Bereich Menschen­rechte und Politik auf und lei­te­te die­sen. In die­ser Funktion ver­trat die 46-Jährige die po­li­ti­schen Ziele der NGO auf deut­scher und inter­na­tionaler Ebene. Im Anschluss an ih­re Tätigkeit für Medica Mondiale ar­bei­te­te sie 2010 in Kabul für die Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit. Zuletzt war Çalışkan für die European Women’s Lobby in Brüssel tä­tig und ar­bei­te­te ent­schei­dend am Aufbau ei­nes eu­ro­päi­schen Netzwerks für Migran­tinnen (European Network of Migrant Women) mit.

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10.06. − Wer kommt ins Boot? Ein Konzept zur Verteilung humanitären Ressourcen in der Medizin.

Prof. Dr. Norbert W. Paul, Universitätsmedizin Mainz

Am 10. Juni be­grü­ßen wir Prof. Dr. Norbert W. Paul in un­se­rer Vorlesungsreihe, der eben­falls, wie Prof. Hilgendorf in ei­ner vor­he­ri­gen Sitzung, auf me­di­zi­nethi­sche Fragen ein­ge­hen wird, aber aus ei­ner an­de­ren dis­zi­pli­nä­ren Perspektive und da­bei nä­her auf das ge­gen­wär­ti­ge Verhältnis von Menschenrechten und Ethik in Forschung und Behandlung ein­ge­hen wird.

Prof. Dr. Norbert W. Paul ist Vorsitzender des Ethikkomitees der Universitätsmedizin Mainz und zu­dem Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin. Nach sei­nem Magister Artium in Neuerer Geschichte, Philosophie (Theoretische Medizin) und Deutscher Philologie an der Wilhelms-Universität Münster 1991 sam­mel­te er als wis­sen­schaft­li­cher Mitarbeiter Erfahrungen in Münster und Düsseldorf. Er pro­mo­vier­te 1995 an der me­di­zi­ni­schen Fakultät der Wilhelms-Universität Münster und wur­de nach sei­ner Tätigkeit als Schriftführer der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik e. V. (DGGMNT) und der Wahrnehmung ei­nes Feodor-Lynen-Forschungsstipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung Gastdozent an der Stanford University (USA) (1999-2000) und da­nach an der Charité Berlin (2002-2003). Er ha­bi­li­tier­te 2003 an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und hält seit 2004 sei­nen Lehrstuhl an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in­ne. Zudem gibt er seit 2008 als “Editor in Chief” die Zeitschrift „Medicine Studies: International Journal for the History, Philosophy, and Ethics of Medicine & Allied Sciences“ her­aus. Zuletzt ver­öf­fent­lich­te er 2012 mit Bettina Böttcher “Personale Autonomie: Diskussion ei­nes zen­tra­len ethi­schen Konzepts am Beispiel von fer­ti­li­täts­pro­tek­ti­ven Maßnahmen bei Krebspatientinnen”.

» Rückblick: Vortrag Prof. Dr. Norbert W. Paul


 

[ENTFALLEN] 17.06. − Zugang zu Bildung als Menschenrecht – Inklusion von Menschen mit Behinderungen

 


 

24.06. − Wie weit darf Rüstungsforschung gehen?

PD Dr. Jürgen Altmann, Technische Universität Dortmund

Am 24. Juni wid­men wir uns den “Human Rights in Academia” aus ei­ner wei­te­ren in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Perspektive. PD Dr. Jürgen Altmann be­leuch­tet in sei­nem Vortrag die Frage da­nach, wie weit Rüstungsforschung ge­hen darf. Nach ei­ner all­ge­mei­nen Einführung in den Bereich der Rüstungsforschung wer­den wir dis­ku­tie­ren, in­wie­fern Menschenrechte und Rüstungsforschung sich dia­me­tral ge­gen­über ste­hen. Sind Menschenrechte und Rüstungsforschung grund­sätz­lich un­ver­ein­bar? Welche Innovationen zei­gen sich im Forschungsbereich? Und wie not­wen­dig sind prä­ven­ti­ve Begrenzungen neu­er Militärtechnik?

PD Dr. Jürgen Altmann hat an der Universität Hamburg stu­diert und pro­mo­viert. Er ist seit den 1980er Jahren in ver­schie­de­nen Forschungsprojekten im Bereich der Friedensforschung und Physik tä­tig, u.a. in Zusammenarbeit mit der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Deutschen Stiftung Friedensforschung. Er lei­tet an der Technischen Universität Dortmund die Abteilung “Physik und Abrüstung” am Lehrstuhl für ex­pe­ri­men­tel­le Physik III und forscht u.a. zu nicht-tödlichen Waffen und der mi­li­tä­ri­schen Nutzung von Nanotechnologie. Er ist Mitbegründer des Forschungsverbundes Naturwissenschaft, Abrüstung und in­ter­na­tio­na­le Sicherheit (FONAS) und stellv. Sprecher des Arbeitskreises Physik und Abrüstung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).

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01.07. − Wissenschaft im Dienste der Menschenrechtsverletzungen des Nationalsozialismus

Dr. Christl Wickert

Der Vortrag the­ma­ti­siert Menschenrechtsverletzungen und ras­si­sche Ausgrenzung, de­ren Begründungen aus den eu­ge­ni­schen Diskussionen, die seit der Jahrhundertwende ge­führt wur­den und in Dahlem wis­sen­schaft­lich fun­diert wur­den, re­sul­tie­ren. Als die Nationalsozialisten am 14. Juli 1933 in dem neu ver­kün­de­ten Gesetz zur Verhütung erb­kran­ken Nachwuchses de­fi­nier­ten, wer zwangs­ste­ris­liert wer­den muss­te, ba­sier­te das Gesetz auf ei­nem Entwurf, das u.a. in der Ihnestrasse 21, dem da­ma­li­gen Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, mensch­li­che Erblehre und Eugenik im Auftrag der Preußischen Regierung 1932 aus­ge­ar­bei­tet wur­de. Federführend war der Eugeniker Hermann Muckermann, Abteilungsleiter, der auf ei­ne frei­wil­li­ge Entscheidung nach ei­ner aus­führ­li­chen Aufklärung plä­dier­te. 1934-1945 wur­den 400.000 Menschen ste­ri­li­siert, schät­zungs­wei­se 6.000 Frauen und 600 Männer star­ben in­fol­ge un­sach­ge­mäß durch­ge­führ­ter Eingriffe.

Dr. Christl Wickert ist Historikerin, Politologin, frei­be­ruf­li­che Kuratorin und war u.a. von 1984 bis 1990 wis­sen­schaft­li­che Mitarbeiterin am Fachbereich Politische Wissenschaften der FU Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Historische Genderforschung und Täter im Nationalsozialismus. 1988 in­iti­ier­te sie die Gedenktafel für die Opfer der vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie be­treu­ten Menschenversuche im KZ Auschwitz.

» Rückblick: Vortrag Dr. Christl Wickert


 

08.07. − Empirische Befunde zu Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft beim Hochschulzugang

PD Dr. Martha Zapata Galindo, MISEAL, Freie Universität Berlin
Annabell Daniel, M.A., Freie Universität Berlin

Dass Menschenrechte in­ter­de­pen­dent und un­teil­bar sind, zei­gen auch das Recht auf Bildung und das Verbot von Diskriminung. Wir möch­ten in die­ser Sitzung Forschungsergebnisse be­han­deln, die dar­auf ein­ge­hen, wie in Universitäten in Lateinamerika und in Deutschland so­zia­le Herkunft, Geschlecht und Hautfarbe Einfluss auf die Chance neh­men, ein Hochschulstudium zu ab­sol­vie­ren. An un­se­rer ei­ge­nen Universität wird in ver­schie­de­nen Disziplinen ge­nau hier­zu ge­ar­bei­tet.

PD Dr. Martha Zapata lei­tet das Projekt MISEAL (“Medidas pa­ra la in­clu­sión so­ci­al y equi­dad en in­sti­tu­cio­nes de edu­cación su­pe­ri­or en América Latina”, dt. “Maßnahmen für so­zia­le Inklusion und Gleichstellung hö­he­ren Bildungseinrichtungen in Lateinamerika”) und ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bereich Geschlechterforschung des Lateinamerika Instituts der Freien Universität Berlin. Sie pro­mo­vier­te in Philosophie und ha­bi­li­tier­te in Soziologie an der Freien Universtiät Berlin. Zu ih­ren Forschungsschwerpunkten ge­hö­ren ne­ben Gender und Mobilität im la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Bildungssystem auch Zirkulation von Wissen und kul­tu­rel­len Praktiken in der Karibik und der Diaspora, so­wie Wissensbewegungen und Wissenspolitiken hin­sicht­lich der po­li­ti­schen Epistemologie der Globalisierung im Kontext Lateinamerikas.

Annabell Daniel, M.A., ist wis­sen­schaft­li­che Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Empirische Bildungsforschung am Fachbereich Erwiehungswissenschaft und Psychologie, wo sie u. a. im Projekt “Arbeiterkind” tä­tig ist. Dieses Projekt ar­bei­tet dar­auf hin, so­zia­le Ungleichheiten am Übergang zur Hochschule ab­zu­bau­en und führt be­glei­tend Evaluationsstudien durch. Zu ih­ren Veröffentlichung zäh­len “Effekte so­zia­ler Herkunft auf den Übergang zur Hochschule” (zu­sam­men mit mit Rainer Watermann und Kai Maaz) so­wie “Primäre und se­kun­dä­re Disparitäten des Hochschulzugangs: Erklärungsmodelle, Datengrundlagen und Entwicklungen” (im Druck, eben­falls mit R.Watermann und K.Maaz).

» Rückblick: Vortrag PD Dr. Martha Zapata & Annabell Daniel, M.A.


 

15.07. − Rassen-“wissenschaft” in Dahlem

Dr. Bilgin Ayata, Freie Universität Berlin

Im ers­ten Teil der Vorlesung durch­leutet Dr. Bilgin Ayata die Frage, wie menschen­ver­achtend die Forschung ver­schie­de­ner Diszi­plinen in Dahlem in den 1920 bis 1940er Jahren war. In die­ser Zeit wur­den Versuche im heu­ti­gen Otto-Suhr-institut durch­geführt, die da­zu dien­ten, den Rassismus auf ei­ner wissen­schaft­lichen und po­li­ti­schen Ebene zu legimi­tieren. Dadurch soll heraus­kris­ta­lisiert wer­den, wel­che Bedeutung die Menschen­rechte in der Wissen­schaft ha­ben.

Im zwei­ten Teil stellt das Team der Ausstellung Manufacturing Race – be­stehend aus Thiago Barbosa, Owen Brown, Julia Kirchner, Lili Mundle und Julia Scheuerder  –  eben die­se vor und er­zählt nä­he­res zur Rassenforschung in Dahlem.

Dr. Bilgin Ayata lehrt an der Freien Universität Berlin am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften an der Arbeitsstelle Transnationale Beziehungen und Außen- und Sicherheitspolitik. Sie stu­dier­te Politikwissenschaften an der John Hopkins Universität in Baltimore und schloss ih­ren Master an der York Univerität in Toronto ab. Forschungsinteressen von Dr. Ayata be­fin­den sich bei Schnittstellen von Internationalen Beziehungen und ver­glei­chen­der Politik mit Fokus auf Migration, eth­ni­schen Konflikten, trans­na­tio­na­lem Aktivismus und Politik der Erinnerung. Ihr re­gio­na­ler Schwerpunkt um­fasst den Nahen Osten, die MENA-Region und Europa, ins­be­son­de­re die Türkei und den kur­di­schen Konflikt. Sie hat Feldforschung in ver­schie­de­nen EU-Ländern und der Türkei duch­ge­führt und da­bei die ver­schie­de­nen Formen von Zwangsmigration und ih­ren po­li­ti­schen Auswirkungen un­ter­sucht. In ih­rer Postdoc- Forschung hat sich Dr. Ayata auf die Beziehungen der Türkei und der EU fo­kus­siert und un­ter­sucht, in­wie­weit Europäisierungsprozesse auf ei­ner nor­ma­ti­ven Ebene be­ob­ach­tet wer­den kön­nen in den na­tio­na­len Debatten der Türkei über Tabuthemen wie der Völkermord an den Armeniern. Dr. Ayata hat sich auch im Jahr 2011 zwei Konferenzen über die Kontroverse um tür­ki­schen EU- Kandidatur in Zusammenarbeit mit der Sabanci Universität , Istanbul or­ga­ni­siert, so­wie auch die “Manufacturing Race”-Ausstellung 2014.

» Rückblick: Vortrag Dr. Bilgin Ayata