„(Un)sichtbare Grenzen Europas“ — Filmabend mit der Doku RESIDENZPFLICHT und Chu Eben

Auch zu unserem letzten Filmabend der Reihe „(Un)sichtbare Grenzen Europas – Filmreihe zu Flucht & Asyl“ kamen wieder zahlreiche interessierte Gäste. Sogar so viele, dass der Platz kaum ausreichte. Den letzten Film, „Residenzpflicht“, zeigten wir am 28.05. – wie gewohnt im Laika in Neukölln. Zu Gast hatten wir diesmal Chu Eben, der für den Verein Refugees Emancipation e.V. arbeitet und einer der Protagonisten in dem von uns gezeigten Film ist.

“Die Residenzpflicht ist ein Kolonialgesetz”

Der Film „Residenzpflicht“ beschäftigt sich im dokumentarischen Stil mit der Residenzpflicht in Deutschland, welche im Film von einem Historiker als altes koloniales Recht bezeichnet wird. Die Doku stellt einen Bezug zwischen Asylrecht und verwandten Themen wie Rassismus und Kolonialgeschichte her. Collagenhaft werden Menschen vorgestellt und interviewt, die über die Auswirkungen der Residenzpflicht berichten und diese bekämpfen bzw. abschaffen wollen. Der Film wurde als sehr eindrucksvoll und mitreißend wahrgenommen und breitete eine gute Grundlage für eine anschließende Diskussion über die Residenzpflicht in Deutschland.

Chu Eben, ein Protagonist aus dem Film "Residenzpflicht" berichtet von seiner Arbeit bei Refugees Emancipation e.V.
Chu Eben, ein Protagonist aus dem Film “Residenzpflicht” berichtet von seiner Arbeit bei Refugees Emancipation e.V.

Zuerst berichtete Chu Eben über seine Arbeit bei Refugees Emancipation. Dies ist ein Verein, der von Geflüchteten organisiert wird und sich für die Rechte von anderen Flüchtenden einsetzt. Diese Selbstorganisation ist dem Verein sehr wichtig, denn ein großes Problem für Geflüchtete sei die isolierende Politik des deutschen Staates. Damit solle den Geflüchteten das Leben in Deutschland erschwert werden. Organisierte Flüchtlingsgruppen wollen diese Politik nicht akzeptieren. Chu Eben betonte hier, dass es besonders wichtig sei, auf dieses Problem der Isolierung aufmerksam zu machen und den Kontext dieser Regeln zu verstehen.

Chu Eben machte auch auf ein weiteres großes Problem aufmerksam: der deutsche Staat wolle viele Geflüchtete nicht an deutsche Universitäten lassen und verwehre ihnen das Recht auf Bildung. Die Versuche des Staates, Flüchtlinge an Bildung zu hindern, stellte den Ausgangspunkt der Gründung von Refugees Emancipation dar. Dieser Verein sucht nun nach Wegen, die Kontrollsysteme zu umgehen. Z.B. indem er selbstorganisierte Internet-Cafés in Flüchtlingsheimen einrichtet.

Empowerment ist das Stichwort

Ein großes Ziel sei es also, freie Räume für Geflüchtete zu schaffen, um Selbstbestimmung und Courage zu stärken. Laut Chu Eben verhindere auch die Residenzpflicht zu weiten Teilen die Möglichkeit, sich weiterzubilden oder einen Job zu finden. Um seinen Landkreis verlassen zu dürfen, braucht man einen Urlaubsschein, der oft gar nicht oder nur für ein paar Tage ausgestellt werde. Damit könne man jedoch nichts anfangen, wenn man lernen oder arbeiten wolle. Chu Eben hält die Residenzpflicht somit für ein Kontrollorgan, welches Geflüchtete schwächen und sie in die Illegalität drängen soll, damit sie ihren Anspruch auf Rechte verlieren.

Auf die Frage hin, wie man sich persönlich engagieren kann, ruft Chu Eben die zivile Gesellschaft in Deutschland dazu auf, die Bedeutung selbst organisierter Gruppen zu erkennen und ihre Unabhängigkeit zu unterstützen.

Wir, die AG Asylrecht der Amnesty International-Hochschulgruppe der Freien Universität Berlin, bedankt sich beim Laika für die tolle Zusammenarbeit und bei allen so interessierten Gästen. Wir freuen uns schon auf ein nächstes Mal!

Weitere Informationen:

Residenzpflicht (Dokumentation): http://residenzpflichtdoc.com/

Refugees Emancipation e.V.: http://www.refugeesemancipation.com/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.