Zur Medialen Reprä­sen­tation von Migrantinnen – Prof. Dr. Margreth Lünenborg

Bericht 16.06. – Prof. Dr. Margreth Lünenborgs Vorlesung “Zur Medialen Reprä­sen­tation von Migrantinnen”

Prof. Dr. Margreth Lünenborg mit Studenten

 

In dem zweiten Vortrag der Vorlesungsreihe machte Prof. Dr. Margreth Lünenborg die mediale Repräsentation von Migrantinnen bzw. als Migrantinnen gelesene Frauen zum Thema ihres Vortrags. Lünenborgs Präsentation wie auch ihrer Forschung liegt ein Medienverständnis zugrunde, demzufolge Medien niemals nur Realität spiegeln, sondern zugleich auch Wirklichkeit herstellen. Damit besitzen sie eine zentrale gesellschaftliche Funktion und Macht – beeinflussen sie doch, wer wie über wen berichtet.

 

 

Migrantinnen in den Medien

Eine erste Schieflage zeigt sich beispielsweise in dem Umstand, dass in den Redaktionen deutscher Medien nur etwa zwei bis fünf Prozent der Journalistinnen und Journalisten einen sogenannten „Migrationshintergrund“ haben, in der Gesamtbevölkerung aber einen Anteil von circa 20 Prozent haben. Eine Konsequenz dieser Unterrepräsentanz von Menschen mit Migrationserfahrung kann eine fehlende Sensibilität für Migrations- und Integrationsthemen sein, sodass Migrantinnen (und Migranten) sehr häufig in Problemzusammenhängen dargestellt werden.

In einem ihrer Forschungsprojekte analysierte Lünenborg systematisch die Darstellung von Migrantinnen und erstellte eine Art Typologie der häufigsten Stereotype bzw. Rahmen, in denen eine Berichterstattung über Migrantinnen erfolgt:

  1. „Die Prominente“, d.h. eine erfolgreiche Migrantin mit öffentlicher Relevanz.
  2. „Die Erfolgreiche“, d.h. eine Migrantin, die vor allem privaten Umfeld (erfolgreich) wirkt.
  3. „Die Alltagsperson“, d.h. die Darstellung einer Person, die „zufällig“ (auch) einen Migrationshintergrund hat.
  4. „Das Opfer“, d.h. eine Migrantin als Opfer von Zwang, häuslicher, staatlicher oder religiöser Gewalt.
  5. „Die Integrationsbedürftige“, d.h. eine Migrantin mit bestimmtem „Förderbedarf“ – jemand, der (vermeintlich) nicht in der Lage, eigenständig gesellschaftlich zu wirken.
  6. „Die Unerwünschte“, d.h. eine Migrantin, die häufig mit Kriminalität in Verbindung gebracht wird und als unerwünschtes Mitglied einer mehrheitlich „deutsch“ verstandenen Gesellschaft gilt.

Lünenborg zeigte anschaulich, dass solche Kategorien aufzeigen, welchen Grad von Autonomie, Passivität, Handlungsmacht, usw. Migrantinnen zugesprochen wird. Erstaunlich sei, dass die taz als politisch eher links zu verortende Zeitung am häufigsten und intensivsten über Migrantinnen als „Opfer“ berichtet und so die eigenen Bemühungen konterkariert. Die Bild-Zeitung hingegen weise ein besonders hohes Maß an Prominenzberichterstattung auf, dabei werde „die Prominente“ häufig auch sexualisiert.

Im Anschluss an die aufschlussreiche Präsentation diskutierte Margreth Lünenborg mit dem Publikum Fragen in Bezug auf das methodische Werkzeug und seine Unzulänglichkeiten in der Medien(rezeptions)forschung sowie Forderungen nach und Initiativen für mehr Vielfalt im Journalismus.

 

 

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