Recht auf Arbeit für Migrant*innen -Anton Schünemann

Bericht 23.06. – Anton Schünemanns Vorlesung zum Theman “Recht auf Arbeit für Migrant*innen”

Anton Schünemann von ARRIVO Berlin

 

Im dritten Vortrag der diesjährigen Reihe machte Herr Anton Schünemann das Recht auf Arbeit zum Thema. Der Präsentation zugrunde liegt Herrn Schünemanns Tätigkeit als Projektleiter bei ARRIVO BERLIN, welche ihm sowohl theoretische Kenntnisse bezüglich der Rechtslage in Bezug auf den Aufenthaltsstatus und den damit verbundenen Rechten und Einschränkungen vermittelt als auch praktische Einblicke in die Realität der Arbeitswelt für geflüchtete Menschen bietet.

Migrant*innen und der deutsche Arbeitsmarkt

Zunächst muss differenziert werden zwischen den verschiedenen Aufenthaltsstatus, wobei eine Duldung von einer Aufenthaltserlaubnis unterschieden werden muss. Die Duldung ist lediglich eine Aussetzung der Abschiebung, welche auf 6-12 Monate befristet ist, jedoch verlängert werden kann aber kein Recht zu arbeiten beinhaltet. Anders verhält es sich bei der Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis, welche auf ein bis vier Jahre befristet ist und den Immigranten theoretisch bereits nach drei Monaten erlaubt einer Beschäftigung nachzugehen. Vom dritten bis fünfzehnten Monat wird jedoch bei Vorliegen einer Arbeitsstelle eine Vorrangsprüfung durchgeführt, wobei die Bundesagentur für Arbeit verantwortlich ist herauszufinden, ob es einen deutschen Staatsbürger gibt, dem diese Stelle vorrangig zugeteilt werden könnte. Da diese Prüfung mehrere Wochen in Anspruch nehmen und auch negativ ausfallen kann, verhält es sich demzufolge in der Praxis oft äußerst schwierig eine Arbeitsstelle zu finden.

Hier tritt ARRIVO BERLIN, eine Initiative zur Integration von geflüchteten Menschen in den Berliner Arbeitsmarkt, unterstützend auf den Plan. Die Initiative geht zurück auf einen Zusammenschluss der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, der Handwerkskammer Berlin und dem Berliner Netzwerk für Bleiberechte „bridge“. ARRIVO fungiert als Anlaufstelle für beide Seiten und hat bereits ein Netzwerk von über 70 Kooperationsbetrieben geschaffen, die es den Arbeitssuchenden erleichtern sollen ein Praktikum oder auch eine Ausbildungsstelle zu finden. Noch sind es zumeist Betriebe der Handwerkskammer Berlin, was zukünftig in mehreren Bereichen, wie beispielsweise der Pflege ausgebaut werden soll.

Für die Arbeitnehmer bietet sich bei ARRIVO die Chance sowohl soft skills als auch hard skills, die im Arbeitsleben unabdingbar sind, zu erlernen und zu verbessern. Der Förderung von soft skills muss insbesondere aufgrund der teils großen kulturellen Differenzen bezüglich der Arbeitswelt besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, um den Arbeitnehmern die bestmögliche Chance auf einen Arbeitsplatz zu gewährleisten.

Bisher standen in etwa 50 Arbeitnehmer mit ARRIVO in Kontakt, von denen mehr als die Hälfte unter 25 Jahre alt sind und somit geeignete Kandidaten für eine Ausbildung, nicht zuletzt interessant um dem nahenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken.

Zu den Voraussetzungen für Interessierte gehören ein Sprachniveau B1 gemäß des europäischen Referenzrahmens, jedoch ist das Angebot weder altersbeschränkt noch abhängig vom Aufenthaltsstatus und bietet den Teilnehmern die Möglichkeit durch Praktika und projektbezogene Workshops einen Einblick in die Berufswelt in handwerklichen Berufen, wie beispielsweise als Dachdecker, Maler oder auch im Kfz-Bereich, zu bekommen. Da im Ausland erworbene Qualifikationen in Deutschland oftmals nicht anerkannt werden, ist es ein Ziel von ARRIVO BERLIN den Teilnehmern Praktikums- sowie gegebenenfalls auch Ausbildungsplätze gemäß ihrer Neigungen und Talente zu vermitteln. Leider nimmt dies keinen Einfluss auf den Aufenthaltsstatus der Arbeitnehmer, wodurch die Arbeitgeber bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen ein nicht kalkulierbares Risiko eingehen. Größer als das Risiko ist jedoch die Chance die sich bietet dem Fachkräftemangel dauerhaft entgegenzuwirken, denn Flüchtling sein ist kein Beruf, wie auch der Leitspruch der Kampagne besagt.

Finanziert wird dieses, vom Präsidenten der Handwerkskammer Stephan Schwarz und der Arbeitssenatorin Dilek Kolat initiierte, Projekt sowohl durch den Europäischen Sozialfonds als auch durch Landesmittel und wird auch 2016 weiterhin Bestand haben.

 

» Hier geht es zur Internetseite von ARRIVO Berlin

 

» Hier geht es zum Programm der Human Rights Lectures – Migration

» Hier geht es zur Veranstaltung auf Facebook

 

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